Feierte am 17. April seinen 60. Geburtstag, Ralf Wosik (Foto: R.Wosik)Feierte am 17. April seinen 60. Geburtstag, Ralf Wosik (Foto: R.Wosik)Herr Wosik, Sie, Ihre Schwester Nadja und Ihr jüngerer Bruder Torben sind erfolgreiche Tischtennisspieler. Wie sind sie und ihre Geschwister zum Tischtennis gekommen und mit wieviel Jahren haben sie angefangen?
Eigentlich komme ich aus einer Schachfamilie und bin nur durch meinen Cousin Peter Schrimpf - heutiger Vorstandsvorsitzender der RAG und auch ehemaliger Bundesligaspieler beim TTC GW Bad Hamm - mit dem TT Schläger in Berührung gekommen. Anlässlich eines Schach-Mannschaftsspiels sah ich dann zufällig in der Pause im Fernsehen die Übertragung des WM Endspiels von 1969 zwischen Eberhard Schöler und Shigeo Itoh. Das gab mir dann die richtige Motivation mehr zu trainieren und schließlich mit dem Schachspiel aufzuhören. Meine Schwester Nadja und mein Bruder Torben sind quasi zwangläufig zum Tischtennis gekommen. Ob Küchentisch oder Wohnzimmertisch überall spielte ich Tischtennis. Häufig bildeten aufgestellte Bücher das Netz. Überall lagen Tischtennisbälle herum.  Als sportbegeisterte Familie lag es nahe, dem älteren Bruder dann beim Tischtennis nachzueifern.

Greifen Sie manchmal selbst noch zum Schläger? Wie kann man sich ein Familientreffen bei Familie Wosik vorstellen? Ihre Frau ist ja auch ehemalige Spitzenspielerin und ihre Tochter Janina mit dem französischen Spitzenspieler Damien Éloi verheiratet? Wird da schon einmal der Schläger herausgeholt und Rundlauf im Garten gespielt?
Auf Grund meines zeitintensiven Berufes komme ich nur noch selten zum Spielen. Vornehmlich, wenn es darumgeht, neues Material zu testen. Dann kribbelt es in den Fingern und ich bin nervös, wie sich die neuen Beläge, Hölzer oder auch  Bälle spielen. Selbstverständlich geht es beim Familientreffen häufig um das Thema Tischtennis. Zum einen weil Damien selbst noch in der 2.Bundesliga erfolgreich in Hamm spielt und zum anderen weil er und Janina in unserem Familienunternehmen beruflich aktiv sind und zusammen mit Anja Bergmann, der Tochter vom Firmengründer Wilfried Micke, das Unternehmen in die nächste Generation führen werden. Rundlauf im Garten spielen wir zwar nicht, aber unser Enkelkind Leandro möchte immer, wenn er mich in der Firma besucht, ein paar Ballwechsel mit mir spielen. 

Tischtennis wird immer komplexer, die Trainingsumfänge für junge Talente sind enorm hoch. Sie haben 1975 nach der Mittleren Reife die Schule verlassen, um sich auf eine Profikarriere zu konzentrieren. Dies war damals einzigartig in Deutschland, so dass Sie und Hajo Nolten die ersten waren, bei denen der DTTB versuchte den Weg zu fördern um Tischtennis und eine Ausbildung zu verbinden. Heute haben wir das Deutsche "Die Materialentwicklung ist noch nicht am Ende" (Foto: Schöler&Micke)"Die Materialentwicklung ist noch nicht am Ende" (Foto: Schöler&Micke)Tischtennisinternat in Düsseldorf, indem jungen deutschen Talenten ermöglicht wird, Leistungssport und die schulische Ausbildung bestmöglich zu koordinieren. Was würden sie den jungen Talenten raten?
Das damalige Projekt war keine Aktion, die vom DTTB groß unterstützt wurde. Vielmehr war es die Eigeninitiative von Hans-Wilhelm Gäb, der früh erkannte, dass bessere Ergebnisse und eine stärkere Nationalmannschaft im Tischtennis nur über ein gezieltes und vermehrtes Training zu erreichen sind. Ich als junger begeisterter Tischtennisspieler wollte mich einfach spielerisch verbessern und hatte auch das Ziel, vielleicht einmal mein Hobby zum Beruf zu machen. Leider fehlten in den ersten Jahren die finanziellen Mittel, um einen Trainer zu beschäftigen und der damalige Bundestrainer fast ausschließlich im Leistungszentrum Osnabrück arbeitet. So trainierten wir sehr häufig nur zu zweit.
Junge Spieler haben es heute schwerer in die Weltspitze vorzudringen. Zu meiner Zeit war die Leistungsdichte eine andere. Für uns junge Spieler war es damals einfacher den Durchbruch zu schaffen. Inzwischen wird in fast allen europäischen Ländern profihaft trainiert- von Korea, Japan oder China ganz zu schweigen. Der Konkurrenzkampf ist jetzt viel größer. Deshalb ist es heute wichtig, dass man nach Möglichkeit zweigleisig fährt. Eine gute schulische Ausbildung ist wichtig. In meinen Augen müsste die Politik den gesamten Sport in Deutschland stärker unterstützen und die Sportler nach ihrer Karriere besser absichern.

Sie sind nach ihrer aktiven Karriere mit 102 Länderspielen dem Tischtennissport treu geblieben und seit 1987 Geschäftsführer und Mitinhaber von Schöler&Micke in Dortmund. Wie ist es dazu gekommen? Was hat Sie all die Jahre an dieser Sportart fasziniert?
Ich hatte das Glück, dass bei mir alles passte und ich meinen Traum leben konnte und Tischtennis nicht nur Hobby  sondern auch Beruf wurde. Durch meinen Sport habe ich fast die gesamte Welt gesehen. Fazinierend an dem Sport sind viele Dinge. Die Dynamik und die schnellen Bewegungsabläufe, die perfekt koordiniert werden müssen -  das unglaubliche Ballgefühl, das die Topathleten in die Wiege gelegt bekommen haben -  die Reaktionsschnelligkeit, als Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Spiel und natürlich das FAIRPLAY, das es zum Glück im Tischtennis immer noch gibt.

Wie beurteilen Sie die Materialentwicklung der letzten Jahre? Wohin wird die Entwicklung ihrer Meinung nach in Zukunft gehen? Stichworte: Plastikball, Attraktivität und eventuelle Regeländerungen.
Das Schlägermaterial  ist heutzutage um einiges  besser als zu meiner aktiven Zeit. Die Beläge sind griffiger, katapultstärker und haltbarer geworden. Die neuen kunstfaser-/carbonverstärkten Hölzer sind deutlich fehlerverzeihender als früher. Die Entwicklung ist hierbei aber noch nicht am Ende. Die neuen Plastikbälle sind inzwischen in punkto Haltbarkeit auf dem Niveau von Zelluloid angelangt. Klar spielen sie sich anders als Zelluloidbälle, aber daran wird sich der Spieler gewöhnen – so wie er sich auch an die Änderung der Zählweise oder die Umstellung auf den 40mm Ball gewöhnt hat. Was in meinen Augen dringend geändert werden muss, ist die Aufschlagregel. Hier sehe ich beim Zuschauen immer noch sehr viele verdeckte Aufschläge. Eine Vereinfachung würde die Ballwechsel verlängern und die Attraktivität noch mehr fördern. Ein Laie unter den Zuschauern versteht einfach nicht, warum man sich beim Aufschlag so verbiegen muss. Im Aufschlag/Rückschlagspiel passieren einfach zuviele Fehler aufgrund der Tatsache, dass der Gegner den Effet falsch einschätzt bzw. nicht erkennen kann.

Herr Wosik, vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Sandra Spieler.

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